Schlagwort-Archive: Orthografie

On cognates and friends, true and false

Learning a language is hard, so every little bit helps: If English is your mother tongue and you start learning German, you will be delighted to hear that the German word for hand is Hand. You may be less delighted to hear that the English word gift does not translate to its German orthographic counterpart Gift (which means ‘poison’), but to Geschenk. Then again, if you like linguistics, you will be delighted to hear that not just the former, but also the latter pair of words is etymologically related (both gift in English and Gift in German refer to something that is given to someone, the verb give also being related to the nouns). So, we have three aspects of relatedness in words: the origin (where words come from); the form (how they are written); the meaning (how we define them). For some clusters of relatedness, there are established terms: The term I have always used for words that share the same spelling, but not the same meaning is ‘false friends’ (e.g., gift/Gift). Today I learned through a blog post by Jonathon Owen that some English speakers (erroneously) refer to such false friends as ‘false cognates’ – a term that would properly be applied to words that share the same meaning and the same form across languages, but that are in fact etymologically unrelated. Inspired by said blog post, I made an overview of different types of relations between word pairs across languages, based on origin, form, meaning or some combination thereof. You can download a PDF version of the chart by clicking on the image below:

An overview of words that share the same origin, form, meaning or some combination thereof

Charis SIL, used in the Longman Pronunciation Dictionary

Fonts for phonetic transcriptions: An overview

In 2014, I started compiling a list of fonts for typesetting phonetic transcriptions using symbols of the International Phonetic Alphabet (IPA). It is probably the most comprehensive and up-to-date list of such fonts, providing short, yet detailed reviews of the typefaces and the quality of their symbols – but it has two disadvantages: First, the reviews are written in German, which most people do not read. Second, the list – featuring more than 40 typefaces – has grown quite long and maybe even a bit confusing. If you are looking for a decent sans-serif typeface that includes phonetic symbols in its bold style, the long list will not be much help. That is why created a table of all fonts for phonetic transcriptions I am aware of (thanks to Friedrich Althausen, the designer of the Vollkorn typeface, for the suggestion!).
Charis SIL, used in the Longman Pronunciation Dictionary by John C. Wells
For each font family, I have indicated whether the roman and italic styles in the regular and bold weights contain phonetic symbols (R: Regular Roman; I: Regular Italic; B: Bold Roman; BI: Bold Italic).¹ Whenever a typeface family includes more than these four styles, this is noted in the ‘More styles’ column (but you’ll have to look up the details for yourself). This is also true when a typeface has more than one bold weight (e.g., Semibold and Bold) or more than one italic style (e.g., ‘true’ italics and oblique). If you want to read the reviews of the typefaces, click on their names (warning: 🇩🇪 content ahead).

In each category,  means that a (more or less) complete set of phonetic symbols is available. Even if a font is marked that way, some symbols may be missing. (✓) means that a style or weight is present in the typeface, but that it does not contain phonetic symbols.  means that a style or weight is missing entirely from the typeface in question.² The last column contains a rating: This is not about whether a typeface is nice in general, but only refers to the design and functioning of the phonetic symbols. Still, it is certainly somewhat subjective, so feel free to comment if your evaluation differs substantially from mine. Also, please let me know if you know of any other typefaces with phonetic symbols.

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Charis SIL und Gentium Plus

Es gilt das gesprochene Wort: Schriftarten für IPA-Transkriptionen

Das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) ist das wohl präziseste und weltweit verbreitetste System, um Sprachlaute zu notieren. Der mit der Präzision einhergehende Nachteil ist der Bedarf an einer Vielzahl von Zeichen, die keine andere mit dem lateinischen Alphabet geschriebene Sprache mitbringt – im wahrsten Sinne des Wortes ›Sonderzeichen‹. IPA-eigene Diakritika ausgenommen dürfte es rund 75 Zeichen gehen, die teilweise komplett neu gezeichnet werden müssen bzw. aus existierenden Buchstaben abgeleitet werden können. Die Zielgruppe, die diese Zeichen benötigt, ist ziemlich klein. Die Zahl derer, die darüber hinaus Wert auf eine ansprechende Gestaltung der Zeichen legen, ist verschwindend. Dementsprechend machen sich überhaupt nur wenige Schriftdesigner die Mühe, ihren Schriften Lautschrift hinzuzufügen. Ich habe eine Liste von immerhin knapp 40 Schriftarten zusammengestellt, die über einen vollständigen Satz IPA-Zeichen verfügen. Wo möglich, werde ich einige Anmerkungen zur Brauchbarkeit der Zeichen für typografisch anspruchsvolle Projekte machen.

Vorab möchte ich allerdings auf einen kleineren Richtungsstreit unter den Schriftgestaltern hinweisen: Er betrifft die Frage, inwieweit von lateinischen Buchstaben abgeleitete IPA-Zeichen eine eigenständige, chirographische – also vom Schreiben mit der Hand beeinflusste – Form bekommen sollten. Schauen wir uns die folgenden vier Reihen von Buchstaben an:
Charis SIL und Gentium Plus
Man sieht, dass ›n‹ und ›u‹ in beiden Schriften jeweils ihre eigene Serifenstruktur haben. Die Fußserifen des ›n‹, die unten horizontal sind und sich zu beiden Seiten der Vertikalen ausdehnen, sind in ihrer neuen Position als Kopfserifen des ›u‹ angeschrägt und halbiert, während dort die – beim ›n‹ noch schräge – Kopf­serife als neue Fußserife begradigt wurde (Randbemerkung: Man könnte auch andersherum argumentieren; es liegt mir fern, anzudeuten, ›u‹ sei aus ›n‹ her­geleitet oder umgekehrt). Diese Veränderungen sind bei jeder gut gezeichneten Antiqua zu beobachten – aber muss diese selbstverständliche Anpassung auch für ›m‹ bzw. ›r‹ und ihre ›Kinder‹ gelten? Die Charis bietet hier schlicht unverändert gedrehte Zeichen an, während der Gestalter der Gentium, Victor Gaultney, die IPA-Zeichen analog zu dem ›n‹/›u‹-Paar gezeichnet hat. Mir erscheint letztere Lösung besser; die Zeichen wirken organischer und stehen weniger steif auf der Zeile, ganz abgesehen von dem Gewinn an Konsistenz, wenn das abgeleitete neben dem zugrunde liegenden Zeichen steht. Man kann indes nicht davon ausgehen, dass diese Präferenz von allen Schriftgestaltern oder -nutzern geteilt wird. Zudem dürfte einigen Designern die Zeit und Muße fehlen, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen und ggf. eine befriedigendere Lösung als die bloße Spiegelung von Zeichen zu erarbeiten.

Hier nun die Liste, zu der Ergänzungen sehr willkommen sind. Alle Illustrationen sind Beispieltranskriptionen, die ohne manuelle Anpassungen in InDesign gesetzt wurden. Sie zeigen keinen fehlerfreien Satz, sondern, im Gegenteil, mitunter fehlende oder falsch platzierte Zeichen:

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Nazlı Moğulkoç

Tal der Diakritika

Ich finde es bedauerlich, dass Namen von Personen, die in deutschen Medien auftauchen, mehr oder weniger systematisch falsch geschrieben werden. Diakritika – also Sonderzeichen auf den Buchstaben wie Akzente und dergleichen – fallen fast immer weg, wenn es nicht gerade um Deutsch oder die gängigsten Fremdsprachen wie Französisch, Italienisch oder Spanisch geht. Ich spreche nicht von unterschiedlichen oder inkonsistenten Transkriptionen aus anderen Schriften, sondern von der Wiedergabe von Namen aus Sprachen, die ebenfalls mit dem lateinischen Alphabet geschrieben werden. Mir fällt kaum eine Zeitung und schon gar keine Fernsehsendung ein, die konsequent auf die korrekte Schreibweise achtet. Rühmliche Ausnahmen (zumindest manchmal) sind die Zeit und die Süddeutsche. Einen Tiefpunkt dagegen markierte die gestrige Ausgabe der tagesthemen: In deren erstem Beitrag zum Ergenekon-Prozess in der Türkei tauchte eine Anwältin namens, laut Insert, Nazli Nogulkoc auf. Das kam mir schon etwas verdächtig vor; der Autor des Films, Michael Schramm, gab sich nämlich Mühe mit der Aussprache des Namens und die stimmte mit der gezeigten Schreibweise kaum überein. Nach einer kurzen Suche war klar: Die Frau heißt Nazlı Moğulkoç, was im Türkischen [naˈzlɯ̈ moulˈkot͡ʃ] lautet. Wenn man den Tippfehler am Anfang des Nachnamens hinzurechnet, ist knapp ein Drittel der Zeichen also falsch oder unvollständig. Warum ist das schlecht? Ich finde, es spricht für mangelnden Respekt gegenüber der Person, die zitiert oder gezeigt wird. So wie man sich einerseits bemüht, inhaltliche Aussagen korrekt wiederzugeben, sollte andererseits auch die formale Seite stimmen. Fast jeder ärgert sich, wenn sein Name falsch ausgesprochen oder geschrieben wird. Gerade denjenigen, die nicht jeden Tag in der Zeitung stehen oder fürs Fernsehen interviewt werden, kann so ein Fehler die Freude am Artikel oder Beitrag sehr verderben. Ein Deutscher namens Jörg Müller wäre vermutlich auch eher befremdet als erfreut, in ausländischer Presse als Jorg Nuller vorzukommen. In der Vergangenheit war es oft schwierig bis unmöglich, die korrekten Sonderzeichen aufs Papier oder den Bildschirm zu bringen. Außer bei stark veralteten Systemen gilt diese Begründung heute jedoch nicht mehr. TheAntiqua – die Schriftart, die von den tagesthemen in Inserts verwendet wird – enthält selbstverständlich sämtliche benötigte Sonderzeichen, wie die unten stehende Abbildung zeigt:
Nazlı Moğulkoç
Da Inserts üblicherweise nicht mit dem Beitrag übermittelt, sondern live dazugefahren und demnach von einer Person, die nicht mit Autor des Films identisch ist, eingegeben werden, ist die Kommunikation zwischen Reporter und Redaktion die letzte Stelle, an der die korrekte Schreibweise im Einzelfall scheitern kann. Das kann passieren, aber sollte, wie gesagt, auf Einzelfälle beschränkt bleiben. Zudem ist es auch der Redaktion nicht verboten, nachzufragen oder dieselbe Recherche wie ich durchzuführen; Letzteres dauert ein paar Sekunden, was selbst bei engen Zeitplänen nicht zu lang sein sollte. Es sollte nicht zu lang sein, weil ein nachlässiger Umgang mit formalen Details dem Verdacht Nahrung gibt, dass mit inhaltlichen Einzelheiten ähnlich verfahren wird – auch wenn dem nicht so ist. Nazlı Moğulkoç dürfte den tagesthemen-Beitrag nicht gesehen haben, aber ich könnte mir vorstellen, dass es ihr auch lieber gewesen wäre, nicht als Nazli Nogulkoc im deutschen Fernsehen zu erscheinen.