Valse klemtoonvrienden:
Wortbetonung im Deutschen und Niederländischen

Als ›falsche Freunde‹ bezeichnet man Paare von Begriffen, die in zwei Sprachen eine ähnliche Form, aber eine unterschiedliche Bedeutung haben. Am häufigsten kommen solche Paare in Sprachen mit gemeinsamem Ursprung vor. Listen deutsch-englischer falscher Freunde füllen Bücher, während die Kombination Kurdisch/Guaraní an solchen Stolperfallen eher arm sein dürfte. Meist geht es nämlich um Kognaten, also Wörter identischer Herkunft, die sich über die Jahrhunderte semantisch weiter als lautlich voneinander entfernt haben. Falsche Freunde sind diese Begriffe deshalb, weil sie beim Zweitspracherwerb für Schwierigkeiten sorgen: Wer eine Sprache lernt, die der eigenen Erstsprache bzw. einer bereits erlernten Zweitsprache ähnlich ist, nutzt das Vorwissen und versucht anfangs, sich die neue Sprache durch den Transfer von Elementen der bekannten Sprache zu erschließen. Oft trennt die Erst- und die Zweitsprache ja bloß eine unbedeutende Lautverschiebung bei tatsächlich identischer Bedeutung.

Transfer findet aber auch statt, wenn es nicht um Semantik geht. Im morphologischen Bereich ist zum Beispiel bekannt, dass deutsche Muttersprachler das grammatikalische Geschlecht (Genus) niederländischer Wörter mit hoher Trefferquote nennen können – schlicht auf der Basis ihrer Kenntnis des Deutschen. Falsche Freunde in diesem Bereich wären Wörter wie ›Orgel‹ (gleichbedeutend in beiden Sprachen), das im Deutschen ein Femininum ist, im Niederländisch dagegen ein Neutrum. Ein Bereich, in dem seltener über Transfer gesprochen wird, ist die Wortbetonung. Allerdings dürfte auch hier der Spracherwerb zumindest anfangs auf Transfer basieren. Man geht – nicht ganz zu Unrecht – davon aus, dass die Betonung ähnlicher Wörter in ähnlichen Sprachen auf derselben Silbe liegt.

Im Folgenden stelle ich eine Liste von mehr als 60 Wortpaaren vor, die im Deutschen und Niederländischen (fast) gleich geschrieben, aber (meist) unterschiedlich betont werden. Eine Frage, die ich hier nicht beantworten werde, ist die nach dem Warum – allerdings nicht, weil sie uninteressant wäre. Der Grund ist, dass die Liste mehrheitlich relativ rezente Fremd- und Lehnwörter enthält. Bei solchen Wörtern wird die Wortbetonung – anders als bei nativen Wörtern oder älteren Lehnwörtern – nicht ausschließlich von fonologischen Prinzipien bestimmt. Oft spielen auch die Herkunfts- oder Vermittlersprache bzw. sprachinterne Ähnlichkeiten eine Rolle. Diese Faktoren für die untenstehenden Wörter zu entwirren, geht über das hinaus, was ich hier leisten kann. Sollte sich jemand die Mühe dieser Arbeit machen, bitte ich um Nachricht. Selbiges gilt bei Fehlern und Unvollständigkeiten, insbesondere in Bezug auf Lautungen, die außerhalb von Deutschland oder den Niederlanden gebräuchlich sind.

Deutsches LemmaDeutschNiederländisch
Akademie🇩🇪 Akademíé /a.ka.deˈmiː/🇳🇱 académie /ɑ.kaˈde.mi/, /-kə-/
Akkordeon🇩🇪 Akkórdeon /aˈkɔr.de.ɔn/🇳🇱 accordeón/ɑ.kɔr.deˈɔn/
🇳🇱 accordeón/ɑˈkɔr.de.ɔn/ (selten)
Alphabet🇩🇪 Alphabét /al.faˈbeːt/🇳🇱 álfabet /ˈɑl.fa.bɛt/
🇧🇪 alfabét /ɑl.faˈbɛt/ (selten)
Altar🇩🇪 Altár /alˈtaːr/🇳🇱 áltaar /ˈɑl.tar/
Amok🇩🇪 Ámok /ˈaː.mɔk/
🇩🇪 Amók /aˈmɔk/ (selten)
🇳🇱 amók /aˈmɔk/
🇳🇱 ámok /ˈa.mɔk/ (selten)
Amphibie🇩🇪 Amphíbie /amˈfiː.bi̯ə/🇳🇱 amfibíé /ɑm.fiˈbi/
Amphitheater🇩🇪 Amphítheater /amˈfi.teˌaːtər/🇳🇱 ámfitheàter /ˈɑm.fi.teˌa.tər/
🇳🇱 àmfitheáter /ˌɑm.fi.teˈa.tər/
Angelegenheit🇩🇪 Ángelegenheit /ˈan.ɡə.leː.ɡən.haɪ̯t/🇳🇱 aangelégenheid /an.ɣəˈle.ɣən.hɛɪ̯t/
Arbiter ¹🇩🇪 Árbiter /ˈar.bi.tər/🇳🇱 arbíter /ɑrˈbi.tər/
Archipel🇩🇪 Archipél /ar.çiˈpeːl/🇳🇱 árchipel /ˈɑɾ.xi.pɛl/, /-ʃi-/
🇧🇪 archipél /ɑr.ʃiˈpɛl/
Asbest🇩🇪 Asbést /asˈbɛst/🇳🇱 ásbest /ˈɑs.bɛst/
🇧🇪 asbést /ɑsˈbɛst/
Azalee🇩🇪 Azalée /a.t͜saˈleːə/🇳🇱 azálea /aˈza.le.a/
Baklava🇩🇪 Báklava /ˈba.kla.vaː/🇳🇱 bakláva /bɑˈkla.va/
🇳🇱 baklavá /bɑ.klaˈva/
Billard🇩🇪 Bíllard /ˈbɪl.jart/
🇦🇹 🇨🇭 Billárd /bɪlˈjaː[r]/
🇳🇱 biljárt /bɪlˈjart/
🇧🇪 bíljart /ˈbɪl.jart/ (selten)
Bombast🇩🇪 Bombást /bɔmˈbast/🇳🇱 bómbast /ˈbɔm.bɑst/
Boykott🇩🇪 Boykótt /bɔɪ̯ˈkɔt/🇳🇱 bóýcot /ˈbɔj.kɔt/
Bürgermeister🇩🇪 Bǘrgermeister /ˈbʏr.ɡər.maɪ̯s.tər/🇳🇱 burgemééster /bʏr.ɣəˈme.stər/
🇧🇪 búrgemeester /ˈbʏr.ɣə.me.stər/ (selten)
Cassis🇩🇪 Cassís /kaˈsiːs/, /-ˈsɪs/🇳🇱 cássis /ˈkɑ.sɪs/
Chamäleon🇩🇪 Chamäleon/kaˈmɛː.le.ɔn/🇳🇱 kameleón /ka.me.leˈjɔn/
🇧🇪 kaméleon /kɑˈme.le.jɔn/
Champignon🇩🇪 Chámpignon /ˈʃɑm.pɪn.jɔ̃ː/, /-ɔŋ/🇳🇱 champignón /ʃɑm.piˈjɔn/, /-ɲɔn/
Cornedbeef🇩🇪 Córnedbeef /ˈkɔːr.nətˌbiːf/, /ˈkɔːrnt-/🇳🇱 cornédbeef /kɔrˈnɛt.bif/
🇳🇱 córnedbeef /ˈkɔːrnt.bif/
Couscous🇩🇪 Cóúscous /ˈkʊs.kʊs/🇳🇱 couscóús /kusˈkus/
Dynamo🇩🇪 Dýnamo /ˈdyː.na.mo/
🇩🇪 Dynámo /dyˈnaː.mo/ (selten)
🇳🇱 dynámo /diˈna.mo/
🇧🇪 dýnamo /ˈdi.nɑ.mo/
Elektron🇩🇪 Élektron /ˈeː.lɛk.trɔn/
🇩🇪 Elektrón /e.lɛkˈtroːn/
🇩🇪 Eléktron /eˈlɛk.trɔn/, /-troːn/ (selten)
🇳🇱 eléktron /eˈlɛk.trɔn/
Elixier🇩🇪 Elixíér /elɪˈksiːr/🇳🇱 elíxer /eˈlɪ.ksər/
🇳🇱 elixír /e.lɪˈksir/, 🇧🇪 /-ˈksɪr/
Feuilleton ²🇩🇪 Féúilleton /ˈføː.jə.tɔ̃/
🇩🇪 Feuilletón /fø.jəˈtɔ̃/ (selten)
🇳🇱 feuilletón /fœʏ̯.jəˈtɔn/
Freelancer🇩🇪 Fréélancer /ˈfriː.lɛ[ː]n.sər/, /-laːn-/🇳🇱 freeláncer /friˈlɑn.sər/, /-ˈlɛːn-/
🇳🇱 fréélancer /ˈfri.lɑn.sər/, /-lɛːn-/
Gluten🇩🇪 Glutén /ɡluˈteːn/
🇩🇪 Glúten /ˈɡluː.tən/
🇳🇱 glúten /ˈɣly.tən/
Habitat🇩🇪 Habitát /ha.biˈtaːt/🇳🇱 hábitat /ˈha.bi.tɑt/
Hangar🇩🇪 Hángar /ˈhaŋ.ɡaːr/
🇩🇪 Hangár /haŋˈɡaːr/ (selten)
🇳🇱 hangár /hɑŋˈɡɑr/, /-ɣɑr/
Horizont🇩🇪 Horizónt /ho.riˈt͜sɔnt/🇳🇱 hórizon /ˈho.ri.zɔn/
Humor ³🇩🇪 Humór /huˈmoːr/🇳🇱 húmor /ˈhy.mɔr/
Japan🇩🇪 Jápan /ˈjaː.paːn/, /-pan/🇳🇱 Japán /jaˈpɑn/
Jordan🇩🇪 Jórdan /ˈjɔr.dan/🇳🇱 Jordáán /jɔrˈdan/
Kabeljau🇩🇪 Kábeljau /ˈkaː.bəl.jaʊ̯/🇳🇱 kabeljáúw /ka.bəlˈjɑu̯/, /kɑ-/
Karibu🇩🇪 Káribu /ˈkaː.ri.bu/, /ˈka-/🇳🇱 karibóé /ka.riˈbu/
Katalog🇩🇪 Katalóg /ka.taˈloːk/🇳🇱 catálogus  /kaˈta.lo.ɣʏs/, /kɑ-/
Katamaran🇩🇪 Katamarán /ka.ta.maˈraːn/🇳🇱 catamáran /ka.taˈma.rɑn/
🇳🇱 catamarán /ka.ta.maˈrɑn/ (selten)
Katapult🇩🇪 Katapúlt /ka.taˈpʊlt/🇳🇱 kátapult /ˈkɑ.ta.pʏlt/, /-tə-/
🇧🇪 katapúlt /kɑ.taˈpʏlt/
Kiosk🇩🇪 Kíosk /ˈkiː.ɔsk/
🇨🇭 Kiósk /ki̯ɔsk/
🇳🇱 kiósk /kiˈɔsk/
Kobalt🇩🇪 Kóbalt /ˈkoːbalt/🇳🇱 kobált /koˈbɑlt/
Kognak🇩🇪 Kógnak /ˈkɔn.jak/
🇨🇭 Kognák /kɔnˈjak/
🇳🇱 cognác /kɔˈɲɑk/
Koitus🇩🇪 Kóitus /ˈkoː.i.tʊs/🇳🇱 coḯtus /koˈi.tʏs/, /-təs/
Kolonie🇩🇪 Koloníé /ko.loˈniː/🇳🇱 kolónie /koˈlo.ni/
Kompass🇩🇪 Kómpass /ˈkɔm.pas/🇳🇱 kompás /kɔmˈpɑs/
Korridor🇩🇪 Kórridor /ˈkɔ.ri.doːr/🇳🇱 corridór /kɔ.riˈdɔːr/, /-doːr/
🇳🇱 córridor /ˈkɔ.ri.dɔːr/ (selten)
Kotelett🇩🇪 Kótelett /ˈkɔt.lɛt/
🇩🇪 Kotelétt /kɔtˈlɛt/ (selten)
🇳🇱 kotelét /ko.təˈlɛt/
Kruzifix🇩🇪 Krúzifix /ˈkruː.t͜si.fɪks/
🇩🇪 Kruzifíx /kruː.t͜siˈfɪks/
🇳🇱 crucifíx /kry.siˈfɪks/
🇳🇱 crúcifix /ˈkry.si.fɪks/
Litotes🇩🇪 Litótes /liˈtoː.tɛs/🇳🇱 lítotes /ˈli.to.tɛs/
Majestät🇩🇪 Majestät /ma.jɛsˈtɛːt/🇳🇱 májesteit /ˈma.jəs.tɛɪ̯t/
Menthol🇩🇪 Menthól /mɛnˈtoːl/🇳🇱 ménthol /ˈmɛn.tɔl/
🇳🇱 menthól /mɛnˈtɔl/
Mikado🇩🇪 Mikádo /miˈkaː.do/🇳🇱 míkado /ˈmi.ka.do/
🇳🇱 mikádo /miˈka.do/
Mitternacht 🇩🇪 Mítternacht /ˈmɪ.tər.naxt/🇳🇱 middernácht /mɪ.dərˈnɑxt/
Omega🇩🇪 Ómega /ˈɔ.me.ɡa/, /ˈoː-/🇳🇱 oméga /oˈme.ɡa/
🇳🇱 ómega /ˈo.me.ɡa/
Online🇩🇪 ónline /ˈɔn.laɪ̯n/🇳🇱 onlíne /ɔnˈlɑjn/
Orient🇩🇪 Órient /ˈoː.ri.ɛnt/
🇩🇪 Oriént /oˈri̯ɛnt/ (selten)
🇳🇱 Oriënt /o.riˈjɛnt/
Ozon🇩🇪 Ozón /oˈt͜soːn/🇳🇱 ózon /ˈoː.zɔn/
Pogrom🇩🇪 Pogróm /poˈɡroːm/🇳🇱 pógrom /ˈpoː.ɣrɔm/
Radar🇩🇪 Radár /raˈdaːr/
🇩🇪 Rádar /ˈraː.daːr/ (selten)
🇳🇱 rádar /ˈra.dɑr/
Reliquie🇩🇪 Relíquie /reˈliː.kvi.ə/🇳🇱 relikwíé /re.liˈkʋi/
Scharlatan🇩🇪 Schárlatan /ˈʃar.la.taːn/, /-tan/🇳🇱 charlatán /ʃɑr.laˈtɑn/
🇳🇱 chárlatan /ˈʃɑr.la.tɑn/
Schibboleth🇩🇪 Schibbóleth /ʃɪˈboː.lɛt/
🇩🇪 Schíbboleth /ˈʃiː.bo.lɛt/
🇳🇱 sjibbolét /ʃi.boˈlɛt/, /ʃɪ-/
Schimpanse🇩🇪 Schimpánse /ʃɪmˈpan.zə/🇳🇱 chímpansee /ˈʃɪm.pɑn.se/, /-ze/
🇳🇱 chimpanséé /ʃɪm.pɑnˈse/, /-ze/
Schlemihl🇩🇪 Schlémihl /ˈʃleːmiːl/🇳🇱 schlemíél /ʃləˈmil/, /slə-/
Sorbet🇩🇪 Sorbét /zɔrˈbeː/🇳🇱 sórbet /ˈsɔr.bɛt/
🇳🇱 sorbét /sɔrˈbɛt/, 🇧🇪 /-bɛ/
Sowjetunion🇩🇪 Sowjétunion /zɔˈvjɛt.uˌni̯oːn/
🇩🇪 Sówjetunion /ˈzɔ.vjɛt.uˌni̯oːn/ (selten)
🇳🇱 Sóvjet-Unie /ˈsɔ.vjɛtˌy.ni/
Tabak🇩🇪 Tábak /ˈtaː.bak/, /ˈta-/
🇦🇹 Tabák /taˈbak/
🇳🇱 tabák /taˈbɑk/
Tampon🇩🇪 Támpon /ˈtam.pɔ̃ː/, /-pɔŋ/, /-pɔn/🇳🇱 tampón /tɑmˈpɔn/
Vagabund🇩🇪 Vagabúnd /va.ɡaˈbʊnt/, /fa-/🇳🇱 vágebond /ˈva.ɣə.bɔnt/
Vollkorn🇩🇪 Vóllkorn /ˈfɔl.kɔrn/🇳🇱 volkóren /vɔlˈko.rən/
vornehm🇩🇪 vórnehm /ˈfoːr.neːm/🇳🇱 voornáám /vorˈnam/
windstill 🇩🇪 wíndstill /ˈvɪnt.ʃtɪl/🇳🇱 windstíl /ʋɪntˈstɪl/
Zenit🇩🇪 Zenít /t͜seˈniːt/🇳🇱 zénit /ˈze.nɪt/

Anmerkungen

1   Das Wort ›Arbiter‹ ist im Deutschen veraltet und seltener als im Niederländischen, wo es in der Bedeutung ›Schiedsrichter; Schiedsperson‹ recht häufig verwendet wird. 
2   ›Feuilleton‹ bezeichnet nicht dasselbe in beiden Sprachen: Im Deutschen steht das Wort für den Kulturteil einer Zeitung oder vergleichbaren Publikation bzw. einen dort erschienenen literarischen Beitrag. Im Niederländischen ist ein ›feuilleton‹ eine Fortsetzungsgeschichte (etwa ein in mehreren Teilen in der Zeitung abgedruckter Roman). Auch bei anderen Wortpaaren in dieser Liste kann es Bedeutungsunterschiede geben, die aber an der Wahrscheinlichkeit einer Falschaussprache nichts ändern. 

3   Gemeint ist hier die Bedeutung ›Heiterkeit‹. In der Bedeutung ›Körpersaft‹ ist das Wort im Deutschen initialbetont: Húmor /ˈhuːmoːr/. Im Niederländischen kommt es in dieser Bedeutung kaum vor. 

4   Die verbreitete Lautung mit Betonung auf der vorletzten Silbe, also catalógus /ka.taˈlo.ɣʏs/, gilt als Falschaussprache und ist Lernern daher nicht zu empfehlen. Sie ist allerdings sehr wohl interessant im Hinblick auf fonologische Regularitäten des Niederländischen (vgl. auch hier). 

5   Der Dikke Van Dale, das umfangreichste zeitgenössische Wörterbuch des Niederländischen, bezeichnet die Initialbetonung von ›mikado‹ als »eigenlijk onjuist« (eigentlich unrichtig). Diese Einschätzung erscheint allzu puristisch angesichts der Tatsache, dass diese Betonung allgemein verwendet wird. 

6   Das Wortpaar ›Mitternacht‹ vs. ›middernacht‹ ist auch Platzhalter für weitere Bezeichnungen von Tag(eszeit)en, bei denen sich die Sprachen unterscheiden und die ein interessanter Gegenstand für eine nähere Untersuchung wären. Warum stimmt die Wortbetonung bei ›Spíélabend‹ vs. ›spéélavond‹ überein, aber unterscheidet sich bei ›Wínterabend‹ vs. ›winterávond‹? Warum ist es im Niederländischen ›paasávond‹ und ›paasmáandag‹, aber ›páásnacht‹ und ›páásochtend‹? 

7   Der Eintrag bezieht sich auf die Wortbetonung bei prädikativer Verwendung des Adjektivs. Bei attributiver Verwendung kann sich die Betonung nach vorne verschieben (vgl. Wyngaerd 2012). Das Paar ›windstill‹ vs. ›windstil‹ ist zudem ein Platzhalter für die generelle Wortbetonung in zusammengesetzten Adjektiven. Es gibt hierbei eine Reihe weiterer Unterschiede zwischen den Sprachen, die ich an dieser Stelle nicht vollständig darstellen, geschweige denn analysieren kann. 

Quellen

  • Boon, Ton den; Hendrickx, Ruud (Red.) (2015): Van Dale Groot woordenboek van de Nederlandse taal. Utrecht: Van Dale Uitgevers.
  • Dudenredaktion (Hrsg.) (2015): Duden ‒ Das Aussprachewörterbuch (7. Aufl.). Berlin: Dudenverlag.
  • Janßen, Ulrike (2003): Untersuchungen zum Wortakzent im Deutschen und Niederländischen. Unveröffentlichte Dissertation (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf). PDF.
  • Krech, Eva-Maria; Stock, Eberhard; Hirschfeld, Ursula; Anders, Lutz Christian (2009): Deutsches Aussprachewörterbuch. Berlin: De Gruyter.
  • Neijt, Anneke & Zonneveld, Wim (1982): Metrische fonologie – De representatie van klemtoon in Nederlandse monomorfematische woorden. De Nieuwe Taalgids 75, S. 527–548.
  • Paardekoper, P. C. (1987): ABN-uitspraakgids (2. Aufl.). Antwerpen: Heideland-Orbis.

2 Gedanken zu „Valse klemtoonvrienden:
Wortbetonung im Deutschen und Niederländischen

  1. Wouter van Wingerden

    Ich spreche die nächsten Wörter anders aus als hier als einzige oder häufigst vorkommende Aussprache wiedergegeben wird (und mit mir viele andere Niederländer): árbiter, báklava, bombást, káriboe, cóïtus, crúcifix, chárlatan.

    Antworten
  2. Christopher Beitragsautor

    Interessant, dank voor je reactie!

    Bei der Betonung solcher Fremdwörter stehen – wie ich schon in der Einleitung angedeutet habe – oft verschiedene Zuweisungsprinzipien in Konkurrenz zueinander. Ich kann diese Prinzipien und ihre Auswirkungen aus Zeit- und Platzgründen hier nicht untersuchen, aber es könnte sein, dass bei den von dir genannten Wörtern ein Prinzip (z. B. Entlehnung der Betonung aus der Herkunfts- oder Vermittlersprache) zu einem anderen Ergebnis führt als ein anderes (z. B. Zuweisung der Betonung nach nativen Regeln). Dadurch entsteht dann diese Varianz. Die Tatsache, dass die von dir genannten Varianten in aktuellen Wörterbüchern nicht zu finden sind, spricht übrigens nicht unbedingt für diese Wörterbücher.

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